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Wenn Funktionieren eine Sportart wäre: Bist du schon im Burnout-Finale?

  • Autorenbild: sa bine
    sa bine
  • vor 20 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit

Lesezeit: ca. 4 Minuten


Hand aufs Herz: Wenn „Durchhalten“, „Organisieren“ und „Trotzdem-Lächeln“ olympische Disziplinen wären, welche Medaille hättest du am Hals hängen?

Wahrscheinlich Gold. Und du hättest sie dir verdammt hart erarbeitet.

Du bist diejenige, die den Laden schmeißt. Im Job lieferst du ab, die Familie funktioniert, die Termine stehen wie Soldaten in Reih und Glied.


Wenn jemand fragt: „Wie machst du das nur alles?“,

dann zuckst du mit den Schultern und sagst: „Geht schon.“

Du bist verdammt gut darin. So gut, dass niemand merkt, wie es in dir drin aussieht.

Das Problem ist: Du hast die Rüstung der „starken Frau“ so lange getragen, dass du vergessen hast, wie man sie überhaupt wieder auszieht. Du spielst auf Top-Niveau.

Aber das Spielfeld, auf dem du dich bewegst, führt direkt ins Burnout-Finale.



Erschöpfte Frau sitzt am Schreibtisch vor Laptop und hält sich die Hände vor das Gesicht.


Die Qualifikationsrunde:

Wie das Gift sich einschleicht


Niemand wacht morgens auf und ist ausgebrannt. Es ist kein plötzlicher Sturz, sondern ein schleichender Prozess. Es ist das Gift des jahrelangen Funktionierens.

Du hast gelernt, deine eigenen Bedürfnisse auf „später“ zu verschieben.

Erst das Projekt, erst die Kinder, erst der Partner, erst die Erwartungen der anderen.

Du bist über deine eigenen Grenzen getrampelt, nicht einmal, sondern jeden Tag ein bisschen. Nicht aus Bosheit gegen dich selbst, sondern weil es gesellschaftlich so verdammt gut ankommt, wenn eine Frau „belastbar“ ist.

Dein System hat sich angepasst. Dein Körper hat gelernt, mit einem chronisch erhöhten Adrenalinspiegel zu leben. Du funktionierst wie eine perfekt geölte Maschine.

Aber Maschinen fühlen nichts. Und du spürst dich selbst auch immer weniger.



Der Einzug ins Finale: Die unsichtbaren Symptome


In meiner Arbeit auf der Grünen Couch sehe ich dieses Muster bei meinen Klientinnen immer und immer wieder: Frauen, die im Funktionieren Weltmeisterinnen sind, brechen nicht laut zusammen. Sie bröckeln ganz leise, während sie nach außen hin noch perfekt die Stellung halten.


Vielleicht erkennst du dich in einem dieser ungeschminkten Momente wieder:


  • Die Kaffeetassen-Explosion: Eine Kleinigkeit geht schief, der Kaffee läuft über, der Schlüssel liegt nicht am Platz, und in dir zieht sich alles zusammen.

    Du merkst, wie eine unbändige Wut oder Tränen hochschießen.

    Und du fragst dich: „Warum bin ich so dünnhäutig geworden?“


  • Die bleierne Leere: Du sitzt abends endlich auf der Couch. Der Fernseher läuft, aber du nimmst nichts wahr. Du bist so leer, dass selbst die Frage „Was will ich essen?“ sich anfühlt wie eine unlösbare Matheaufgabe.


  • Das Schlaf-Paradoxon: Du bist müde bis in die Knochen. Dein ganzer Körper schreit nach Schlaf. Aber sobald das Licht aus ist, schießt das Gedankenkarussell los.

    Dein Nervensystem ist so auf Alarm gepolt, dass es das Herunterfahren blockiert.


Du denkst vielleicht, du bist einfach nur erschöpft.

Ein langes Wochenende wird es schon richten, oder?

Nein. Denn das Problem ist nicht die Müdigkeit. Es ist ein Nervensystem, das ständig unter Strom steht und nur noch auf „Überleben“ ausgerichtet ist.

Ein System, das sagt: ich kann nicht mehr und die ersten Risse bekommt.


Eine Rinde eines Baumes mit Riss

Die Disqualifikation:

Warum Optimierung die Falle ist


Was tun wir, wenn wir merken, dass die Kraft nachlässt?

Wir versuchen, noch besser zu funktionieren.

Wir kaufen kluge Ratgeber, abonnieren Achtsamkeits-Podcasts und versuchen, um 05:00 Uhr morgens eine Yoga-Routine in den ohnehin schon vollgestopften Alltag zu pressen.

Wir versuchen, das Ausbrennen wegzuatmen.


Merkst du die Ironie?

Du nutzt die Werkzeuge des Funktionierens, um das Funktionieren zu heilen. 


Du machst aus deiner Entspannung das nächste To-do auf deiner Liste.

Und wenn du es nicht schaffst, fühlst du dich auch noch schuldig.

Ich sage dir aus meiner Praxis heraus ganz ehrlich:

Du brauchst nicht noch eine weitere Strategie und keine neue Methode.


Dein Nervensystem braucht etwas völlig anderes:

Radikale Reizarmut. Abstand. Und einen Ort, an dem du absolut unperfekt sein darfst.



Die Siegerehrung absagen: Zurück zu dir


Aussteigen aus dem Finale bedeutet nicht, dass du dein ganzes Leben hinschmeißen musst. Es bedeutet, dass du den Mut haben darfst, die Rüstung fallen zu lassen.


Hier draußen, im Grünen, interessiert es den Wald nicht, wie produktiv du heute warst.

Die Bäume bewerten deine To-do-Liste nicht.

Wenn du dich auf die Grüne Couch setzt, darfst du erst mal das tun, was du dir seit Jahren verbietest: Einfach nur da sein. Roh. Ungeschminkt. Mit dem ganzen Chaos im Gepäck.


Erst wenn der Lärm des Alltags verstummt, wird es in deinem Kopf still genug, um dich selbst wieder zu hören. Dann fängt das Nervensystem an, den Alarm abzuschalten.

Und dann kommt unter all dem Ballast genau das wieder zum Vorschein, was du so lange vermisst hast: deine Lebendigkeit.

Du musst diese Sportart nicht zu Ende spielen. Du darfst das Spielfeld jederzeit verlassen.



Blick aus dem Wald Richtung See der sich in der Sonne spiegelt.


Du spürst, dass es Zeit ist die Rüstung abzulegen?

Dann lass uns dem Funktionieren das Fürchten lehren.

Du musst das Chaos nicht alleine sortieren, denn dafür bin ich da.

Gönn deinem Nervensystem die Pause, nach der es schreit.


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